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Die Beschlüsse der Klima-Konferenz
Quelle: ZDF Online
Zweijährige Verhandlungen
Die Delegierten einigten sich darauf, den neuen Vertrag in den kommenden beiden Jahren auszuhandeln. Erste Gespräche sollen bis April 2008 geführt werden, Ende 2009 soll das Abkommen in Kopenhagen unterzeichnet werden. Ziel ist es, auch Staaten wie die USA, China und Indien miteinzubeziehen, die im Kyoto-Protokoll bislang nicht in die Pflicht genommen wurden.
Kampf gegen Klimawandel
Die Länder einigten sich nicht auf feste Grenzwerte beim Ausstoß von klimaschädlichen Gasen. In der Abschlusserklärung ist von "tiefen Einschnitten bei den weltweiten Emissionen" die Rede. In der Erklärung wurde zwischen reichen und armen Ländern unterschieden. Die Industriestaaten werden dazu aufgerufen, Ziele zur Treibhausgas-Reduzierung in Erwägung zu ziehen. Was die Entwicklungsländer angeht, bleiben die Forderungen dagegen noch unbestimmter - sie sollen über "mildere Maßnahmen" nachdenken.
Klimaschutzfonds
Die Delegierten der Klimakonferenz einigten sich auf die Einrichtung eines UNO-Fonds, der die Folgen des Klimawandels wie etwa Dürreperioden oder Überschwemmungen für arme Länder lindern soll. Derzeit umfasst der Fonds nur etwa 36 Millionen Dollar, möglicherweise werden bis 2030 jährlich zwischen ein bis fünf Milliarden Dollar hinzukommen, sollten in den Entwicklungsländern die Investitionen in umweltfreundliche Technologien zunehmen.
Erhaltung des Regenwaldes
Ab 2013 sollen ärmere Länder die Möglichkeit erhalten, Emissionszertifikate an reiche Länder zu verkaufen, wenn sie dafür ihre Regenwälder nicht abbrennen. Der Bali-Entwurf fördert zudem Pilotprojekte, welche die Ursachen der Regenwaldabholzung angehen.
Technologie-Transfer
Die Abschlusserklärung fordert mehr finanzielle Unterstützung und Investitionen für Entwicklungsländer, unter anderem bei der technologischen Zusammenarbeit. Die Weitergabe von Wissen ist eine Schlüsselforderung der Entwicklungsländer. Sie argumentieren, dass sie sich die umweltfreundlichen Technologien nicht leisten können, die ihnen Wirtschaftswachstum ermöglichen und gleichzeitig Emissionen reduzieren würden.
Bali:Konses nach Klima-Marathon
Konferenz beschließt Mandat für Kyoto-Nachfolge
Quelle: ZDF Online
Konsens auf Bali: Nach dem dramatischen Verhandlungsmarathon mit Tränen und Drohungen ist der Klimakonferenz eine Einigung gelungen. Über eine Nachfolge des Kyoto-Protokolls besteht nun Konsens. Umweltminister Gabriel zeigte sich in Urlaubsstimmung.
Als die Türen des Plenarsaals bei der Weltklimakonferenz nach einer an Dramatik kaum zu überbietenden Schlusssitzung endlich aufgingen, wehte richtig frischer Wind hinaus. Die Klimaanlage muss drinnen auf Tiefkühlgang geschaltet gewesen sein - ein geschickter Schachzug des Konferenzpräsidenten, denn es gab einige hitzige Gemüter, die dringend der Abkühlung bedurften.
In Tränen aufgelöst
Ein höchst verärgerter Einwurf der Chinesen, die eine Entschuldigung des Klimasekretariats verlangten, ein Chef des Klimasekretariats, Yvo de Boer, der völlig fertig und in Tränen aufgelöst das Podium verlassen musste - dazu noch emotionsgeladene Ovationen für konstruktive Beiträge - wie den der Europäischen Union - und aufgebrachte Buh-Rufe für Blockadeaktionen - wie die der USA.
Derart aufregende Schlussminuten haben auch routinierte Klimaverhandler noch selten gesehen. "Es war eine der dramatischsten Runden in der 15-jährigen Klimaschutz-Geschichte", sagte der Klimaexperte der Umweltorganisation Germanwatch, Christoph Bals, der alle Konferenzen mitgemacht hat. Die Konferenz hatte länger gedauert als die von Kyoto 1997.
Nur wenige Stunden Schlaf
Die in zwei aufeinanderfolgenden Nachtsitzungen - den Ministern blieben nur wenige Stunden Schlaf - mühsam erarbeiteten Kompromisslinien, drohten in den Schlussstunden noch einmal zusammenzubrechen. Die resolute US-Delegationsleiterin Paula Dobriansky setzte auf die Karte Risiko und torpedierte einen neuen indischen Vorstoß. Doch sie pokerte zu hoch.
Keiner folgte ihr - die Japaner blieben vage. Schließlich standen die USA völlig isoliert da. Dann meldete sich Dobriansky noch einmal zu Wort. Mucksmäuschenstill war es im Saal. Die USA wollten einer Einigung nicht entgegenstehen - Riesenjubel unter den Delegierten. Nach schwieriger Geburt war das Bali-Mandat da.
"Die Welt blickt auf uns"
Zuvor war UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon noch einmal auf die Ferieninsel eingeschwebt. Als er das Plenum betrat, standen die Delegierten auf und klatschten. "Die Welt blickt heute auf uns", sagte Ban. Er appellierte an die Verantwortung der Staatengemeinschaft für den Planeten und die nachfolgenden Generationen und forderte einen Kompromiss. "Keine Delegation kann alles bekommen, was sie will."
Die Dramaturgie für eine Einigung war nicht mehr zu überbieten. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich in den intensiven Verhandlungstagen zu einem Darling der Weltpresse gemausert. Offen, gesprächsbereit, auf Englisch und Deutsch stets mit ein paar trefflichen Einschätzungen dabei - das gefällt den Reportern aus aller Welt, die ansonsten oft frustriert hinter ihren eigenen Ministern herjagen.
Gabriel stets korrekt
Für die Amerikaner war er zu offen. Von ihrer Delegationsleiterin Paula Dobriansky - stets abgeschirmt in ihrem Tross - kamen kühl und distanziert immer nur die gleichen Sätze - und keinerlei Einschätzung. Trotz unerträglich schwüler Hitze im Tropenparadies war Gabriel stets ganz korrekt in Anzug, gebügeltem weißem Hemd und roter Krawatte unterwegs - die Schweißperlen auf der Stirn wischte er einfach weg.
Und auch nach durchwachter Nacht in immer neuen Krisensitzungen war er noch fit für die Kameras. Yvo de Boer war kleidungsmäßig dagegen unter die Einheimischen gegangen und trat vorzugsweise im Batikhemd auf. Die Runde hatte bis zuletzt mit harten Bandagen gekämpft. Gerüchte über Drohungen und gar Erpressungen machten die Runde.
Unzimperliche Europäer
Die Europäer drohten damit, die von US-Präsident Bushs gestartete separate Klimaschutzrunde der größten Volkswirtschaften platzen zu lassen, wenn Bali kein vernünftiges Ergebnis bringen würde. Es zeigte Wirkung - nach diesem Auftritt kam Bewegung in die bis dahin starre US-Delegation. "Na ja, es sind natürlich taktische Spielchen - aber wenn wir Europäer nicht so unzimperlich gewesen wären, wären wir auch nicht so weit gekommen", sagte ein EU-Delegierter.
Für die Europäer, die auf Bali ihrer Rolle als Klimaschutzvorreiter alle Ehre machten, ist das Ergebnis zufriedenstellend. Sie hätten gerne mehr gehabt - einen klaren Hinweis, dass die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020 um 15 bis 40 Prozent reduzieren müssen. Doch war das mit den Amerikanern nicht zu machen.
Um die USA im Boot zu haben - und in der Hoffnung, dass sich nach den Wahlen dort im nächsten Jahr an der Klimaschutzfront einiges tut - ließen sie sich auf obskure Fußnoten ein, die letztendlich auf dieses Ziel verweisen.
"Ich gehe jetzt schwimmen"
"Ende gut alles Gut", sagte Gabriel erleichtert, als alles unter Dach und Fach war. Fast kein Delegierter hatte es die ganzen Tage über an den schönen Strand oder die türkisfarbenen Pools geschafft.
"Ich gehe jetzt irgendwo schwimmen, tschüs", sagte Gabriel zum Abschied. Doch ihm blieben nur noch gut drei Stunden bis zum Rückflug in die Kälte.
Durchbruch bei Klimakonferenz
Bali: Teilnehmer beschließen Mandat für neues Klimaschutzabkommen
Quelle: ZDF Online
Durchbruch auf Bali: Nach langem dramatischen Ringen haben sich die Teilnehmer der Weltklimakonferenz geeinigt. Die "Bali Roadmap" für Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen sei nun Konsens, hieß es.
Die UNO-Konferenz auf Bali hat in einer dramatischen Schlusssitzung das Verhandlungsmandat für ein neues Klimaschutzabkommen beschlossen. Zuvor hatte es am Samstag im Plenum der Konferenz einen harten Schlagabtausch mit wechselseitigen Einspruchsdrohungen der USA einerseits und verschiedener Schwellen- und Entwicklungsländer andererseits gegeben. Der Text wurde allerdings hinsichtlich der Pflichten der Entwicklungsländer abgeschwächt.
USA lenken ein
Die Teilnehmer gaben am Samstag den Startschuss für einen neuen Klimavertrag, der in den kommenden zwei Jahren ausgehandelt werden und das Kyoto-Protokoll aus dem Jahre 1997 ablösen soll. Das Folgeabkommen dürfte mehr Länder beim Klimaschutz und der Reduzierung von Treibhausgasen in die Pflicht nehmen: So lenkten die USA in letzter Minute ein und erklärten ihre Bereitschaft, sich dem mühsam ausgehandelten Kompromiss anschließen zu wollen
Der Chef des UNO-Klimasekretariats, Yvo de Boer, war zuvor nach fast dreitägigen ununterbrochenen Verhandlungen in Tränen ausgebrochen. Mit bebender Stimme reagierte er vom Podium der Abschlusssitzung auf chinesische Kritik, das Sekretariat habe bewusst eine Sitzung angesetzt, obwohl außerhalb des Plenarsaals noch Verhandlungen geführt wurden.
"Zeit für Kompromisse"
Das Sekretariat habe nichts von den andauernden Gesprächen unter den Entwicklungsländern gewusst, sagte der Niederländer. Er schlug wiederholt die Hände vor das Gesicht und verließ danach umgehend das Podium.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte den Delegierten nochmals ins Gewissen geredet. "Es steht viel auf dem Spiel", sagte er am Samstag in der Plenarsitzung vor Ministern aus mehr als 180 Ländern. Ban Ki Moon war außerplanmäßig nach Bali zurückgekehrt, um sich in den festgefahrenen Verhandlungsprozess über ein Mandat für einen neuen Weltklimavertrag einzuschalten.
"Die Völker der Welt wollen einen erfolgreichen Abschluss", sagte er. Nicht jede Delegation könne erwarten, dass alle ihre Forderungen erfüllt würden. Es sei aber der Zeitpunkt für Kompromisse gekommen.
Einwände von China und Indien
China und Indien hatten am Samstag einen Kompromissvorschlag für die "Bali Roadmap", das Mandat für Verhandlungen über ein neues Weltklimaabkommen, blockiert. Die chinesische Delegation machte geltend, dass die Verhandlungen in der Gruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer (G-77) noch nicht abgeschlossen seien. Auch die indische Delegation erklärte, die in dem Entwurf enthaltene Passage über Pflichten der Entwicklungsländer beim Klimaschutz sei so nicht abgestimmt.
Indien forderte, dass die reichen Länder darauf verpflichtet werden, umweltfreundliche Technologien und Finanzhilfen im Kampf gegen die Erderwärmung zur Verfügung zu stellen. Ein chinesischer Delegierter nannte den Entwurf eine Verschwörung. Knackpunkt bei den Verhandlungen war die Kernforderung, wonach sich die Industrieländer auf eine Senkung ihrer Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter das Niveau von 1990 festlegen sollten.
Mit Material von dpa, reuters, ap und afp
Klima-Knackpunkte auf Bali ungelöst
Erste Ergebnisse zeichnen sich vor Konferenzende ab
Quelle: ZDF Online
Bei der Weltklimakonferenz auf Bali zeichnen sich erste Ergebnisse ab. Die Minister einigten sich, den Schutz der Tropenwälder zur Vermeidung von Treibhausgasen im nächsten Klimaschutzvertrag zu berücksichtigen. Die Kernfrage ist aber nicht gelöst.
In der Kernfrage, ob im Abschlussdokument ein Ziel zur Treibhausgasminderung für Industrieländer genannt wird, zeichnete sich jedoch noch keine Einigung ab.
Knackpunkte nicht gelöst
"Wir bestehen weiter auf dem Hinweis auf eine Treibhausgasminderung der Industrieländer bis 2020", sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.
Die EU-Länder wollen als Richtschnur für die Verhandlungen über einen künftigen Klimaschutzvertrag das Ziel festschreiben, dass die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Dagegen sperren sich die Amerikaner.
Lange Verhandlungsnacht nötig
Die indonesische Konferenzpräsidentschaft präsentierte am Freitag ein Kompromisspapier ohne Bezug auf dieses Ziel. Das wollen die Europäer bislang nicht akzeptieren. In dem Papier steht allerdings nach Angaben aus Delegationskreisen, dass die Treibhausgase bis 2050 erheblich gesenkt werden müssen, und dass der Treibhausgasausstoß in den nächsten 10 bis 15 Jahren seinen Höhepunkt erreichen muss.
Über die Knackpunkte verhandeln stellvertretend für die mehr als 150 Länder auf Bali zur Zeit noch zwölf Minister in einer Kerngruppe. Darunter ist auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Ihre Ergebnisse müssten im Plenum später von allen verabschiedet werden. Die Minister rechneten mit einer langen Verhandlungsnacht.
Mit Material von dpa
Dunkle Wolken über Klimakonferenz
Streit um "Bali Roadmap" und Haltung der USA
13. Dezember 2007 - Quelle: ZDF Online
Die Vereinten Nationen sehen den Erfolg der Weltklimakonferenz in Gefahr. Grund ist ein neuer Entwurf der "Bali Roadmap", der den USA offenbar die Möglichkeit lässt, verbindliche Zusagen zur Treibhausgas-Reduzierung zu umgehen.
"Ich bin sehr besorgt darüber, wie die Dinge hier stehen", sagte der Chef des UNO-Klimasekretariats, Yvo de Boer, auf Bali. Binnen 24 Stunden müssten wichtige Streitfragen entschieden werden, um die Konferenz noch rechtzeitig zu Ende zu bringen. "Wir könnten hier vor einer Situation stehen, wo es heißt: alles oder nichts."
Weniger Treibhausgase bis 2020
Unmittelbar zuvor war ein neuer Entwurf der "Bali Roadmap" bekannt geworden, der aber aus de Boers Sicht keine Klarheit bringt. Er enthält eine Formulierung, die ein Bekenntnis zu einer Minderung der Treibhausgase um 25 bis 40 Prozent bis 2020 nur auf die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls beschränkt. Dies könnte den Schluss zulassen, dass die USA davon ausgenommen sind, da sie das Protokoll nicht ratifiziert haben.
De Boer wies aber darauf hin, dass auch die USA in Kyoto Minderungsverpflichtungen übernommen haben. Aus seiner Sicht fielen deshalb auch die Vereinigten Staaten unter die genannten Minderungen für Industrieländer. "Das ist nicht klar formuliert", sagte de Boer.
Tauziehen hinter verschlossenen Türen
Um diese Frage wird auf Bali seit Tagen erbittert gestritten. Die USA wollen "keine Zahlen" zu künftigen Minderungen im Schlusstext der Bali-Konferenz. Deutschland, die EU und auch die Entwicklungsländer in der Gruppe der G77 wollen das Minderungsziel in die Erklärung aufnehmen, um einen Anhaltspunkt für künftige Verpflichtungen der Industrieländer zu geben.
Seit Mittwoch verhandeln auf der Konferenz die Minister und andere hochrangige Regierungsvertreter. Arbeitsgruppen feilten am Donnerstag hinter verschlossenen Türen an Lösungen für Detailfragen. Dabei geht es um den Zugang für arme Länder zu klimafreundlicher Technik aus den reichen Ländern, um die Finanzierung dieses Technologietransfers sowie um zusätzliche Mittel für die Anpassung an den Klimawandel in armen Regionen der Welt.
Ungebrochener Optimismus
Umweltgruppen prangerten vor allem die Vertreter aus den USA, Kanada, Japan und Australien als Blockierer auf Bali an. Sie agierten als "Abrisstruppe" für den Verhandlungsprozess, sagte Jennifer Morgan vom Climate Action Network. "Es geht nun darum, ob die Mehrheit der Welt sich gegen die Abrisstruppe durchsetzt." Die US-Delegation gebe sich nur nach außen konziliant, hinter verschlossenen Türen versuche sie aber, unannehmbare Positionen in die Abschlusstexte hineinzuverhandeln, sagte Morgan.
WWF-Unterhändler Hans Verolme sagte, noch hätten die Minister keinerlei Fortschritt erreicht. Sie verlören sich im Kleinklein und sähen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ein Misserfolg der Konferenz wäre eine Katastrophe, meinte Verolme: "Wir werden uns bis zum Schluss für ehrgeizige Ziele einsetzen." Morgan betonte: "Ich glaube nicht, dass es hoffnungslos ist."
Klima: Gabriel nimmt USA in die Pflicht
Ban appelliert an Klimakonferenz auf Bali - Entscheidende Phase beginnt
Quelle: ZDF Online
Zum Auftakt der entscheidenden Verhandlungen bei der Weltklimakonferenz auf Bali hat Umweltminister Gabriel von den USA verbindliche Eindämmung von Treibhausgasen gefordert. Auch UNO-Generalsekretär Ban hatte zuvor mutige Schritte gefordert.
"Ein Reduktionsziel von 30 Prozent bis 2020 sollte auch für die USA akzeptabel sein", sagte er am Mittwoch vor Delegierten aus fast 190 Ländern. Umweltschützer kritisierten eine "empörende" Blockadehaltung der USA, Kanadas und Japans. In einer engagierten Rede hatte am Morgen UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Handeln aufgerufen: "Wir dürfen unsere Kinder nicht ihrer Zukunft berauben."
Vorwürfe gegen USA und Japan
Ban forderte die Industrieländer auf, bei der Senkung des Treibhausgasausstosses voranzugehen. Allerdings müssten auch die Schwellen- und Entwicklungsländer bereit sein, Verpflichtungen zum Klimaschutz einzugehen. "Unsere Atmosphäre kann nicht unterscheiden, ob die Emissionen aus einer asiatischen Fabrik, einem nordamerikanischen Geländewagen oder aus Abholzungen in Südamerika oder Afrika stammen."
Umweltschützer warfen den USA, Kanada und Japan vor, die Verhandlungen sabotieren zu wollen. So seien alle quantifizierbaren Ziele aus der Abschlusserklärung gestrichen worden, kritisierte Niccolo Sarno vom Umweltnetzwerk "Friends of the Earth International". Auch ein von den Entwicklungsländern geforderter Fonds für Technologietransfer sei derzeit vom Tisch. "Die Bedeutung eines solchen Fonds, der armen Staaten Zugang zu klimafreundlicher Technologie eröffnen soll, wird vollkommen unterschätzt", warnte Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig.
Gabriel für konkrete Ziele
Auch Umweltminister Gabriel setzte sich für konkrete Reduktionsziele in dem Fahrplan ein, den die Staaten auf Bali beschliessen wollen. Darin sollen die Eckpunkte für die Verhandlungen zur Zukunft des Kyoto-Protokolls nach 2012 skizziert werden. Gabriel betonte zugleich die wirtschaftlichen Potenziale eines neuen Klimaabkommens.
Industrieländer hätten zudem die Pflicht, armen Staaten bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels beizustehen. Der Klimawandel treffe diejenigen am härtesten, die nicht zu den Hauptverursachern der Erderwärmung gehörten.
Strenge Sicherheitsvorkehrungen
Das "hochrangige Segment" zur Schlussphase der am Freitag endenen UNO-Konferenz mit sechs Staats- und Regierungschefs sowie rund 130 Umweltministern begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Deutschland ist durch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vertreten.
Um den Verhandlungsablauf auf Bali effektiver zu gestalten, soll auf Vorschlag der indonesischen Gastgeber eine Kommission von 40 Ministern gebildet werden. Wie Bundesumweltminister Gabriel (SPD) am Mittwoch in Nusa Dua mitteilte, wird auch er dieser informellen Verhandlungsgruppe angehören. Insgesamt wurden demnach fünf Vertreter der EU nominiert.
Dies sind die EU-Kommission, Portugal, Deutschland und Slowenien für die amtierende, gewesene und künftige EU-Präsidentschaft und dazu Dänemark als Gastgeber der UNO-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen. Dort soll nach der bisherigen Planung das angestrebte Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll unterzeichnet werden.
Globale Partnerschaft gefordert
Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief zu einer globalen Klima-Partnerschaft zwischen Nord und Süd auf. Vor allem die Industrienationen müssten mehr tun, um den Klimawandel einzudämmen. Aber auch die Entwicklungsländer sollten einen Pfad der nachhaltigen Entwicklung einschlagen. Yudhoyono erinnerte aber zugleich an die vielen Menschen, "die sich nicht um Autos, Klimaanlagen oder Handys sorgen, sondern um das, was sie auf dem Teller haben".
Der neue australische Premierminister Kevin Michael Rudd, der die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls in die Wege geleitet hat, wurde mit minutenlangem Applaus begrüßt. Mit dem Protokoll verpflichten sich mit Australien 37 Industrienationen, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Auf Bali sollen ein Fahrplan, die Eckpunkte und ein Zeitplan für neue Klimaschutzvereinbarungen beschlossen werden. Viele Punkte sind noch strittig. So lehnen die USA weiter verbindliche Reduktionsziele ab.
Mit Material von reuters, afp und epd
Klimakonferenz auf Bali tritt in entscheidende Phase ein - Australien ratifiziert Kyoto-Protokoll
Quelle: stromtarife.de
Münster - Auf der Weltklimakonferenz auf Bali haben die entscheidenen Beratungen begonnen. Rund 130 Minister und andere Regierungsvertreter beraten in den letzten drei Tagen des Klimagipfels über einen Fahrplan für ein neues UN-Klimaabkommen. Für Deutschland nimmt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel an den Ministerverhandlungen teil. Deutschland und die EU forderten am Dienstag erneut die Industrieländer auf, ihre Treibhausgase von 1990 bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu vermindern. Eine solche Zusage lehnen die USA und andere Länder weiterhin strikt ab. Gleichzeitig übergab der australische Premierminister Kevin Rudd offiziell die Ratifikationsurkunde seines Landes für das Kyoto-Protokoll an UN-Generalsekretär Ban. Damit sind die USA das einzige wichtige Industrieland, das die Vereinbarungen des Protokolls noch nicht ratifiziert hat. Die Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen für das im Jahr 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll sollen innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden.
US-Ölpreis nach kurzem Höhenflug wieder unter 90 Dollar
Der Ölpreis ist in den USA wieder unter 90 Dollar gefallen. Am Dienstag war der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate vor einem Zinsentscheid der US-Notenbank vor dem Hintergrund eines Kälteeinbruchs im Mittleren Westen deutlich über die 90-Dollar-Grenze geklettert.
Stromwettbewerb: Spitzentreffen der Energiekonzerne mit Minister Glos
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will bei einem heutigen Spitzentreffen in Berlin mit den Chefs der vier großen deutschen Stromkonzerne über die Zukunft des Strommarkts und eine künftige Regulierung sprechen. Das Bundeskartellamt hatte Anfang der Woche angekündigt, die Energiekonzerne notfalls zwingen zu wollen, ihre milliardenschweren Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern zu reduzieren. Das soll zu mehr Wettbewerb führen.
Klimawandel bedroht Tiere und Pflanzen
Quelle: Kurier.at
In den Alpen sterben Schmetterlinge aus, Eisbären und Pinguinen schmilzt der Lebensraum weg und Korallenriffen droht der Tod.
Während auf der UNO-Klimakonferenz noch diskutiert wird, bekommen Tiere und Pflanzen die globale Erwärmung schon zu spüren: In Australien fielen tausende Fledermäuse während einer Hitzewelle tot aus den Bäumen, in den Alpen sterben Schmetterlinge aus, während Eisbären am Nordpol und Pinguinen am Südpol der Lebensraum wegschmilzt. Betroffen sind die meisten Arten und der Wandel kommt zu schnell für sie, als dass sie sich darauf einstellen könnten.
"Kein Zweifel"
"Viele Arten sind in Schwierigkeiten", sagt der Direktor des Zentrums für Tropische Artenvielfalt und Klimawandel an der James-Cook-Universität in Australien, Stephen Williams. "Ich glaube nicht, dass irgendein Zweifel besteht, dass wir ein Artensterben erleben werden." Es gebe aber auch schon Auswirkungen, bevor eine Art aussterbe. "Die meisten Arten in den feuchten Tropen werden auf 15 Prozent ihres derzeitigen Lebensraums reduziert."
Weltweit könnten 30 Prozent der Arten verschwinden, wenn die Temperaturen um 2,5 Grad Celsius steigen. Bei einem Anstieg um 3,5 Grad wären es sogar 70 Prozent, wie die UNO-Klimawissenschafter im vergangenen Monat erklärten. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Erde. In den vergangenen 520 Millionen Jahren gab es nach Einschätzung der Forscher fünf große Perioden des Artensterbens, vier davon werden mit höheren Temperaturen in Verbindung gebracht.
Am schwersten betroffen sind Pflanzen und Tiere in kälteren Regionen oder in höheren Lagen sowie solche mit einem begrenzten Lebensraum oder einer geringen Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen, wie die Biologin Wendy Foden von der World Conservation Union erklärte. Die Treibhausgase lassen aber auch das Wasser der Meere saurer werden - das Todesurteil für Korallenriffe und Planktonarten, von denen wiederum Blauwale und andere Meeressäuger abhängig sind.
Kakerlaken profitieren
"Langfristig wird jede Art betroffen sein", sagte Foden. Nur wenige Arten könnten nach Einschätzung der Wissenschafter vom Klimawandel profitieren. Dazu zählen solche, die sich rasch vermehren, schon jetzt in verschiedenen Klimaregionen überleben und sich schnell anpassen können: Kakerlaken, Tauben und sogenanntes Unkraut.
Ein tödlicher Pilz, der unter warmen Bedingungen gedeiht, hat bereits Froschpopulationen in Südamerika, Afrika und Europa dezimiert. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel stellen aber die Fliegenden Füchse dar, riesige Fledermäuse, die in Australien leben. Mehr als 3500 von ihnen verendeten 2002, als die Temperaturen in New South Wales über 42 Grad stiegen, wie aus einem Bericht des britischen Wissenschaftsmagazins "Royal Society B" hervorging. "Es war richtig heiß und plötzlich regnete es Fliegende Füchse aus den Bäumen", sagte der Autor Justin Welbergen. "Es war grauenvoll. Die Kolonie hatte zwischen 20.000 und 30.000 Tiere und rund zehn Prozent davon kamen um."
Verschobene Lebensräume
Während die Temperaturen steigen, suchen Tiere nach einem Ausweg. Nach einer Untersuchung von 1500 Arten kam die Biologin Camille Parmesan von der Universität von Texas zu dem Schluss, dass 40 Prozent bereits ihren Lebensraum verschoben haben, zumeist in Richtung der Pole. In Großbritannien wanderten zum Beispiel rund zwölf Vogelarten 19 Kilometer nach Norden, in Europa und Nordamerika sind 39 Schmetterlingsarten 200 Kilometer weiter nördlich zu finden als noch vor einigen Jahren. Millionen Mittelmeerquallen tauchten vor Nordirland und Schottland auf.
Das wärmere Wetter verändert auch die Zeit der Fortpflanzung vieler Tiere und Pflanzen. 60 Prozent brüteten und blühten heute früher als bisher, sagte Parmesan. Dies gelte jedoch nicht für alle Arten, was die Beziehungen zwischen Vögeln und Insekten sowie Insekten und Pflanzen stören könnte. "Frösche, Vögel und Schmetterlinge reagieren stärker auf warme Winter und Frühlinge als Pflanzen", erklärte Parmesan. "Es ist zu befürchten, dass damit die Populationen von Tieren und Pflanzen gleichermaßen zurückgehen."
Wissenschafter erwägen jetzt, die Tiere zur Wanderung in kühlere Regionen zu ermutigen oder sogar umzusiedeln. Ein solcher Schritt ist allerdings umstritten. "Man spielt gewissermaßen Gott. Man ändert bewusst die Evolution", sagte Foden. "Wenn unser Job als Biologe darin besteht, die Arten zu erhalten, dann müssen wir sie umsiedeln. Wenn er aber darin besteht, den natürlichen Evolutionsprozess zu erhalten, dann müssen wir ihnen Korridore verschaffen und sie in Ruhe lassen."
USA und Australien sehen Klimawandel als Handelschance
Quelle: finanzen.net
NUSA DUA (dpa-AFX) - Die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab hat sich für den Abbau von Handelsbarrieren für umweltfreundliche Produkte und Technologien ausgesprochen. Sie verwies am Sonntag am Rande der Weltklimakonferenz auf Bali bei einem Treffen von Handelsministern und -beamten aus gut 30 Ländern auf einen gemeinsamen Vorstoß der USA und der EU. Die Länder haben vorgeschlagen, die Zölle auf Umweltprodukte zügig abzubauen.
"Handelsliberalisierungen können einen echten Beitrag zur schnelleren Verbreitung von neuen, sauberen Technologien leisten", sagte Schwab. Nach einer Weltbankstudie könne der Handel mit den Produkten durch einen Zollabbau bis zu 14 Prozent wachsen. Der neue australische Handelsminister Simon Crean äußerte sich am Samstag ähnlich. "Der Klimawandel und die Lösungen dafür schaffen große Chancen für neue Arbeitsplätze und den Handel", sagte er.
Die US-Handelsbeauftragte warnte gleichzeitig davor, im Namen des Klimaschutzes neue Handelsbarrieren aufzubauen, etwa durch Restriktionen für Güter, die mit hohem CO2-Einsatz hergestellt wurden. "Das führt leicht zu verstecktem Protektionismus, was sowohl alle Umwelt- als auch die Wirtschaftsziele untergräbt", sagte Schwab./oe/DP/fj
Australien fordert von USA Kyoto-Beitritt
Lob für Ministerpräsidenten an Klimakonferenz in Bali
Quelle: Schweizer Fernsehen
Der neue australische Ministerpräsident Kevin Rudd hat die USA aufgefordert, wie sein Land dem Kyoto-Protokoll zur Verringerung von Treibhausgasen beizutreten.
Alle Industrie- und Entwicklungsländer müssten Teil einer internationalen Lösung sein, sagte der sozialdemokratische Politiker in einem Interview der Radiosendergruppe Southern Cross. Australien wolle zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern vermitteln.
Rudds erste Amtshandlung
Rudd veranlasste diese Woche als erste Amtshandlung den Beitritt zum Kyoto-Protokoll und wurde dafür auf der Weltklimakonferenz auf Bali gelobt. Die USA sind damit das letzte Industrieland, das sich gegen die Vereinbarung sperrt. Rudd plant im kommenden Jahr einen Besuch in den USA.
(ap/koua)

Kevin Rudd - neuer Premierminister von Australien
Australien macht Ernst mit dem Klimaschutz
Enorme Herausforderung für die Regierung Rudd
Quelle: nzz.ch
Unter seiner neuen Regierung ist Australien von dem Sonderzug, den das Land bisher in der Klimaschutzpolitik gefahren war, abgesprungen. Premierminister Rudd nimmt das Problem ernst; gleichzeitig stellt es für ihn eine der grössten politischen Knacknüsse dar.
Die am Montag vereidigte Labor-Regierung Australiens hat, wie bereits kurz gemeldet, als ihre erste Amtshandlung die Ratifikation des Kyoto-Protokolls eingeleitet. Der Schritt, der laut australischen Medienberichten bei der internationalen Klimakonferenz in Bali auf ein begeistertes Echo stiess, hat vor allem Symbolwert: Nach jahrelangem Abseitsstehen ist Australien nun bereit, unbesehen der Mängel des Kyoto-Protokolls auf dieser internationalen Plattform mitzuarbeiten und Verpflichtungen einzugehen.
Einführung eines Emissionshandels
Über den Symbolwert hinaus eine konkrete Antwort Australiens auf ein Problem zu formulieren, das die Öffentlichkeit zunehmend beunruhigt, wird eine der grössten Herausforderungen für die Regierung von Kevin Rudd sein. Denn in Absenz eines vorgespurten stringenten Konzepts aus der Ära Howard ist es seine Regierung, die den Rahmen der australischen Klimaschutzpolitik ausarbeiten muss, und zwar so, dass die Auswirkungen für die Wirtschaft tragbar bleiben.
Noch in der Opposition hatte Labor den prominenten Ökonomen Ross Garnaut mit einer eingehenden Studie zur Auswirkung verschiedener Klimaschutz-Szenarien auf die australische Wirtschaftsentwicklung beauftragt; das Resultat, quasi ein australischer «Stern-Report», soll etwa bis Mitte 2008 vorliegen. Bis dann will Labor die Zwischenschritte konkretisieren, die zum bereits formulierten Ziel einer Emissionsreduktion um 60 Prozent gegenüber dem Stand von 2000 bis im Jahr 2050 führen sollen. Der Zeitplan enthielt einen gehörigen Schuss Wahltaktik: Rudd wollte sich nicht während der Kampagne mit Zwischenzielen, die von den politischen Gegnern allenfalls als wachstumshemmend angreifbar gewesen wären, auf die Äste hinauslassen.
Doch jetzt, da Labor mit überzeugendem Mandat gewählt und die neue Regierung im Amt ist, treibt Rudd die Klimaschutzpolitik voran. Bis 2010 soll ein nationales System für den Emissionshandel eingeführt sein (statt bis 2012 nach den Plänen des bisherigen Premierministers Howard). Dieser Schritt wurde von der «Australian Financial Review» in einem Leitartikel als von ähnlicher Tragweite wie die Freigabe der Währung vor 24 Jahren beschrieben. Entsprechend sei die Formulierung einer Antwort auf die Herausforderung des Klimawandels als eine der schwierigsten politischen Strategiefragen für Australien seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs anzusehen. Der Emissionshandel soll so organisiert werden, dass er je nach der internationalen Entwicklung zu einem überregionalen oder gar weltweiten System konvergieren kann.
Schmerzhafte Massnahmen abzusehen
Rudds Eile hat ihren Grund. Verschiedene grosse Unternehmen in Australiens wichtigem Bergbau- und Energiesektor, aber auch aus dem Finanzbereich wollen klare Hinweise auf die zukünftige Entwicklung, damit sie langfristige Investitionsentscheide fällen können. Ausserdem haben mehrere Studien gezeigt, dass frühes Handeln von der Wirtschaft besser verkraftet werden kann als «business as usual», dem ein radikaler Schnitt in mittelfristigem Zeithorizont folgt. Und nicht zuletzt erwartet die Bevölkerung von der Laborpartei, die sich im Bereich des Klimaschutzes klar von der liberal-nationalen Koalition unter Howard abgesetzt hat, resolutes Handeln.
Das könnte für Labor allerdings seinen Preis haben. Denn wie verschiedene Kommentatoren festhielten, ist für Australien die Zeit spürbarer Einschnitte gekommen. Das ausgesprochen grosszügige Emissionsziel von 108 Prozent gegenüber 1990, das sich Australien für die erste Kyoto-Bemessungsphase (2008–2012) auszuhandeln vermocht hatte, dürfte das Land zwar beinahe erreichen. Gegenwärtig wird davon ausgegangen, dass die Vorgabe höchstens um einen Prozentpunkt verfehlt wird. Doch dies ist vor allem dem verfügten Stopp von Busch-Rodung zur Erschliessung von Landwirtschaftsland zuzuschreiben – mithin einer einmaligen, für die Gesamtgesellschaft schmerzlosen Massnahme, die in einem Post-2012-Szenario aber nicht mehr verfügbar sein wird. Auch wird Australien nicht davon ausgehen können, in den Verhandlungen um ein Abkommen für die Zeit nach 2012 nochmals einen Deal wie in Kyoto zu erhalten. Wenn wirksame Emissionsreduktionen erreicht werden sollen, muss das Land deshalb die Hebel nun dort ansetzen, wo es für Wirtschaft und Gesellschaft weh zu tun beginnt: bei den Strompreisen, dem Konsum- und dem Verkehrsverhalten. Ohne Einführung griffiger Massnahmen prognostiziert das Australian Greenhouse Office ein Ansteigen der Emissionen auf 127 Prozent gegenüber 1990 bis 2020.
Bei sich selber anfangen
Wenn Australien glaubwürdig sein will gegenüber Ländern wie Indien oder China, ohne die eine wirksame globale Lösung nicht erreicht werden kann, muss es als einer der grössten Pro-Kopf-Emittenten von Treibhausgasen mit einer konsistenten Emissionsreduktion bei sich selber beginnen. Doch ist, wie Nichtregierungsorganisationen bemängeln, die Zeit bisher vertrödelt worden. Australien habe ineffiziente Kohlekraftwerke, eine niedrige Penetration von erneuerbaren Energien, und es sei zu wenig getan worden, um Effizienzgewinne beim Einsatz von Energie zu erreichen. Was früher verpasst worden sei, müsse nun umso schneller aufgeholt werden.
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