Klimawandel bedroht Tiere und Pflanzen
Quelle: Kurier.at
In den Alpen sterben Schmetterlinge aus, Eisbären und Pinguinen schmilzt der Lebensraum weg und Korallenriffen droht der Tod.
Während auf der UNO-Klimakonferenz noch diskutiert wird, bekommen Tiere und Pflanzen die globale Erwärmung schon zu spüren: In Australien fielen tausende Fledermäuse während einer Hitzewelle tot aus den Bäumen, in den Alpen sterben Schmetterlinge aus, während Eisbären am Nordpol und Pinguinen am Südpol der Lebensraum wegschmilzt. Betroffen sind die meisten Arten und der Wandel kommt zu schnell für sie, als dass sie sich darauf einstellen könnten.
"Kein Zweifel"
"Viele Arten sind in Schwierigkeiten", sagt der Direktor des Zentrums für Tropische Artenvielfalt und Klimawandel an der James-Cook-Universität in Australien, Stephen Williams. "Ich glaube nicht, dass irgendein Zweifel besteht, dass wir ein Artensterben erleben werden." Es gebe aber auch schon Auswirkungen, bevor eine Art aussterbe. "Die meisten Arten in den feuchten Tropen werden auf 15 Prozent ihres derzeitigen Lebensraums reduziert."
Weltweit könnten 30 Prozent der Arten verschwinden, wenn die Temperaturen um 2,5 Grad Celsius steigen. Bei einem Anstieg um 3,5 Grad wären es sogar 70 Prozent, wie die UNO-Klimawissenschafter im vergangenen Monat erklärten. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Erde. In den vergangenen 520 Millionen Jahren gab es nach Einschätzung der Forscher fünf große Perioden des Artensterbens, vier davon werden mit höheren Temperaturen in Verbindung gebracht.
Am schwersten betroffen sind Pflanzen und Tiere in kälteren Regionen oder in höheren Lagen sowie solche mit einem begrenzten Lebensraum oder einer geringen Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen, wie die Biologin Wendy Foden von der World Conservation Union erklärte. Die Treibhausgase lassen aber auch das Wasser der Meere saurer werden - das Todesurteil für Korallenriffe und Planktonarten, von denen wiederum Blauwale und andere Meeressäuger abhängig sind.
Kakerlaken profitieren
"Langfristig wird jede Art betroffen sein", sagte Foden. Nur wenige Arten könnten nach Einschätzung der Wissenschafter vom Klimawandel profitieren. Dazu zählen solche, die sich rasch vermehren, schon jetzt in verschiedenen Klimaregionen überleben und sich schnell anpassen können: Kakerlaken, Tauben und sogenanntes Unkraut.
Ein tödlicher Pilz, der unter warmen Bedingungen gedeiht, hat bereits Froschpopulationen in Südamerika, Afrika und Europa dezimiert. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel stellen aber die Fliegenden Füchse dar, riesige Fledermäuse, die in Australien leben. Mehr als 3500 von ihnen verendeten 2002, als die Temperaturen in New South Wales über 42 Grad stiegen, wie aus einem Bericht des britischen Wissenschaftsmagazins "Royal Society B" hervorging. "Es war richtig heiß und plötzlich regnete es Fliegende Füchse aus den Bäumen", sagte der Autor Justin Welbergen. "Es war grauenvoll. Die Kolonie hatte zwischen 20.000 und 30.000 Tiere und rund zehn Prozent davon kamen um."
Verschobene Lebensräume
Während die Temperaturen steigen, suchen Tiere nach einem Ausweg. Nach einer Untersuchung von 1500 Arten kam die Biologin Camille Parmesan von der Universität von Texas zu dem Schluss, dass 40 Prozent bereits ihren Lebensraum verschoben haben, zumeist in Richtung der Pole. In Großbritannien wanderten zum Beispiel rund zwölf Vogelarten 19 Kilometer nach Norden, in Europa und Nordamerika sind 39 Schmetterlingsarten 200 Kilometer weiter nördlich zu finden als noch vor einigen Jahren. Millionen Mittelmeerquallen tauchten vor Nordirland und Schottland auf.
Das wärmere Wetter verändert auch die Zeit der Fortpflanzung vieler Tiere und Pflanzen. 60 Prozent brüteten und blühten heute früher als bisher, sagte Parmesan. Dies gelte jedoch nicht für alle Arten, was die Beziehungen zwischen Vögeln und Insekten sowie Insekten und Pflanzen stören könnte. "Frösche, Vögel und Schmetterlinge reagieren stärker auf warme Winter und Frühlinge als Pflanzen", erklärte Parmesan. "Es ist zu befürchten, dass damit die Populationen von Tieren und Pflanzen gleichermaßen zurückgehen."
Wissenschafter erwägen jetzt, die Tiere zur Wanderung in kühlere Regionen zu ermutigen oder sogar umzusiedeln. Ein solcher Schritt ist allerdings umstritten. "Man spielt gewissermaßen Gott. Man ändert bewusst die Evolution", sagte Foden. "Wenn unser Job als Biologe darin besteht, die Arten zu erhalten, dann müssen wir sie umsiedeln. Wenn er aber darin besteht, den natürlichen Evolutionsprozess zu erhalten, dann müssen wir ihnen Korridore verschaffen und sie in Ruhe lassen."